Letzte Hoffnung Rettungsring

Was kann man machen, wenn die  regionalen Vorstellungen von Straßenbau sich nicht mit den internationalen Vorstellungen decken? Wenn maximale Steigung, Straßenführung und Bodenbelag einem Buschweg ähneln, statt wenigstens annähernd die Erwartungen an eine nummerierte Bundesstraße zu erfüllen,  die zu einem offiziellen Grenzübergang führt. Tja, was will man da machen? Uns bleibt seit Luang Prabang meist nur noch die Nutzung des Rettungsrings, also dem größten Ritzel der Hinterradkassette. Oft erfordern die mehr als 12 Prozent Steigung noch, dass man möglichst weit vorn auf dem Sattel sitzt, um das Vorderrad am Boden zu halten und wenn das auch nicht mehr reicht muss man eben schieben. Das wir es auf dieser Strecke mit eingefahrenen Waldwegen zu tun haben, unterstreichen die Daten – gestern: 58 Kilometer,  1500 Höhenmeter und circa 5 Stunden Fahrt / heute: 43 Kilometer, 1735 Höhenmeter und 5:22 Stunden Fahrt. Auch die Räder melden sich zu Wort – 3 Platten (erster Platten für Micha nach 11150 Kilometern) und ein Speichenriss.  Glücklicherweise kann man fast immer davon ausgehen, dass schwer zu fahrende Wege ein schönes Panorama bieten. Genau das treibt uns an.  Wir gehen am Wasserfall baden, sind von Urwäldern umgeben, müssen durch Flüsse fahren, werden von verwunderten und breit lächelnden Einwohnern begrüßt und wir zelten seit langer Zeit mal wieder mit Lagerfeuer in Flussnähe.
Kaffee, dick belegte Baguettes, Pfannkuchen und Fruchtshakes haben glücklicherweise unsere Energiespeicher in Luang Prabang gut gefüllt. Bleibt nur noch zu hoffen, dass sich der uns erwartende thailändische Straßenbau mehr an China orientiert.

Nachtrag: Eigentlich hatte ich ja den Artikel schon beendet aber eine Sache muss noch erwähnt werden.
Nach stundenlanger Fahrt in den Bergen hatten wir heute recht schnell ein Versorgungsproblem. Wir waren zu hoch, um natürliche Wasserquellen  finden zu können und das kaum besiedelte Stück Laos bot uns tagsüber lediglich eine Einkaufsmöglichkeit. Also Zähne zusammenbeißen und ohne Wasser auskommen.  Leider basiert unsere Taschenverpflegung hauptsächlich auf Nudeln – Nudelkenner wissen,  dass auch hier wird Wasser zur Zubereitung benötigt wird.  Also gab es heute genau eine Pause und bei der mussten zwei Packungen Sojamilch und eine paar süße Snacks die maximale Wirkung zeigen. Wasser kam dann doch noch genug aber von oben.  Die Wege wurden aufgeweicht und zur unsicheren Rutschpiste. Die Fahrräder setzen sich mit Schlamm zu,  sodass sich die Räder kaum noch drehten.  Bei jedem weiteren Anstieg mussten die sich nicht mehr rollenden Räder hochgezogen werden,  obwohl die Schuhe auch schon voll im Rutschtmodus waren.  Der Tag endete mit einer unsicheren Abfahrt aber das angesteuerte Tal war leicht besiedelt und es führte ein Fluss durch.  Ausreichend Gründe für ein Nachtlager mit Lagerfeuer und Waschmöglichkeit für uns und unsere Räder.
All die Möchtegernextremetappen haben jetzt einen neuen Bestenlistenanführer – der Westen von Laos hat es in sich.

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Kochkurs in Luang Prabang

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Frische Zutaten und laotische Reiskörbchen

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Kochlehrerin Linda

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Blick auf den Mekong

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Wasserfälle - gut für eine Erfrischung

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Mit dem Fahrrad durch das waldige Laos

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Flussdurchfahrten

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Schöne Bergwelt

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Kleine Dörfer

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Oft so steil, dass man selbst mit Schieben am seine Grenzen kommt

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Julius ist trotz des Kampfes gegen die Höhenmeter die Anstrengung nicht anzumerken

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Regen und Waldstraßen - schlechte Kombinationen

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11 thoughts on “Letzte Hoffnung Rettungsring

  1. Ihr solltet abbrechen und früher nach Hause kommen. Das hat doch keinen Sinn! Hier gibt es Kürbissuppe und Glühwein und Käsebrote mit sauren Gurken!

  2. Matsch to match. Wir bündeln hier gerade für Euch die Kräfte und schicken sie Euch auf diesem Wege zur Weiterfahrt gerade zu. Noch mehr solcher Hindernisse sind sicherlich nicht wünschenswert. Wir denken an Euch und wünschen Euch alles Gute. Den allergrößtenTeil habt Ihr ja bereits hinter Euch und von dem Rest lasst Euch nicht unterkriegen! Weiterhin viel Kraft und Gutes Gelingen wünschen Euch die Recklinghäuser.

  3. So ein Matsch aber auch! Aber bloß nicht aufgeben! Pfeift auf die Gurken, nehmt die roten Bananen!
    – Denn ihr habt die Schuhe an, mit dem speziellen Absatz dran, mit dem man sich nicht umdreh’n kann, wer stehenbleibt, geht zurück…-
    Singt der Udo L.
    Und Julius: lass bloß die Hose dort!
    Grüße, Guzzi

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