Auf der Suche nach Yunnans G213

Sobald ich mein GPS am Handy aktiviert habe, fütter ich Google mit wertvollen Daten und erhalte im Gegenzug aktuelle Temperaturangaben der momentanen Region. Eigentlich recht zuverlässig aber mein Thermometer zeigt mir seit Tagen lediglich 21 Grad. Das kann nicht stimmen. Wir haben unsere lange Kleidung, welche wir vor einer Woche noch dauerhaft tragen mussten, ganz nach unten in die Tasche gepackt und tragen nur noch kurze Kleidung. Das spart uns jede Menge Wäsche, denn an warmen Tagen kann die vollgeschwitze Kleidung an einer geeigneten Stelle gespült und gleich wieder angezogen werden. Es müssen also mindestens 30 Grad sein. So fühlt es sich zumindest an. Der Tag beginnt zwar neblig aber eben ausreichend schwül, um sich direkt auf den ersten hundert Metern schon das Helmpad vollzuschwitzen.
Wir sind in in der Provinz Yunnan. Im Süden der Provinz grenzt Laos und Myanmar an China und genauso fühlt es sich an – tropisch. Farne, Palmen und Bambus überwiegen im Pflanzenbestand der Provinz. Wir fahren durch tiefe Täler. Neben uns riesige Steilhänge, von denen unzählige Wasserfälle sich den Weg in gigantische Flüsse wie den Jangtsekiang suchen. Auch die Tierwelt sieht hier anders aus. Wir sehen Gottesanbeterinnen über die Straße laufen, fledermausgroße Schmetterlinge gegen LKWs knallen, ekeln uns vor Riesenspinnen neben unserem Zelt und verwechseln in der Nacht die fluoreszierenden Augen einer kuriosen Raupe mit Glühwürmchen. Selbst Elefanten soll es in dieser Provinz geben. Alles ist wieder etwas anders.

Die Ausschilderungshäufigkeit hat stark nachgelassen und seit gestern müssen wir ein paar Ungenauigkeiten auf unseren Navigationsmitteln feststellen. Laut unserer Papierkarte bietet sich die Straße G213  für unsere Route an. Der muss man einfach nur folgen – theoretisch zumindest. Eine falsche Abbiegung kann hunderte zusätzliche Höhenmeter und wesentlich mehr Strecke zur Folge haben. Verlässt man sich auf die Auskunft einer einzelnen Person, kann das ähnliche Folgen haben. Wir wussten bereits, dass das Navigationsgerät einen Teil der G213 nicht kennt. Kann ja gut sein – beispielsweise Karte schlampig gezeichnet oder vielleicht existierten zum Zeitpunkt der Kartenerstellung nur die vermerkten Häppchen der G213. Wie auch immer. Wir mussten also mit unserer 1:2000000 Chinakarte auskommen. Sehr schnell stellten wir fest, dass wir falsch gefahren sind aber nur wo? Wo haben wir uns falsch verhalten? Kein Problem für uns! Zurück wollen wir nicht, also nutzen wir unsere Improvisationsstärke und suchen uns eine Alternativstrecke mit der Papierkarte. Und überhaupt scheint es ja auf der unabsichtlich gewählten Route schöner zu sein und mit bestimmt sogar schneller zu gehen. Als wir den Punkt erreichen, wo wir den Umweg beenden und wieder auf die G213 stoßen sollen, ist auch hier wieder Fehlanzeige. Keine G213. Weder im Navigationsgerät, noch in der Realität. Nur unsere Papierkarte und ein paar Häppchen im Navi geben die angebliche Existenz vor und dabei handelt es sich um eine Bundesstraße. Gestern zuletzt gesehen, heut nicht wiedergefunden aber vielleicht klappt es ja morgen. Bis dahin wird eben improvisiert.

Übrigens konnten wir doch ein paar Parallelen der chinesischen zur deutschen Sprache entdecken. Auch Kinder nennen die Elternteile Mama und Papa. Vielleicht bekommen wir ja auch noch die entsprechenden Schriftzeichen raus.

Grüße,
Julius und Micha

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Park in Leshan

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Wir waren doch dort - Riesenbuddah in Leshan

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Leshan im Nebel

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Nicht ganz der deutsche Hygienestandard

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Bambusverarbeitung

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Gottesanbeterin

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Bikesenior

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Tagesstart - neblig und schwül

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Kommunikationsversuche

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Überall bilden sich Menschenmassen um uns. Irgendwann hilft nur noch die Flucht.

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Tiefe Täler, viele Berge und trotzdem noch Platz für Städte

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Hängebrücken sind noch gängig - auch in Großstädten

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4 thoughts on “Auf der Suche nach Yunnans G213

  1. Ni hau, nach China. Soll soviel heißen wie: Guten Tag. Zur Chinesischen Mama: Hier kommt es auf die Betonung an. Es kann auch Esel oder Pferd bedeuten. Also Vorsicht bei Mama. Wenn die Hühner vom Straßenrand in den heißen Wok kommen, dann macht der Hygienestandard nichts! Alles schon ausprobiert und es geht uns gut. Uns wollte man damals Ratten anbieten. Das war dann doch nicht so ganz unser Geschmack. Die Menschenmenge haben wir auch kennen gelernt. Das liegt an unserem Aussehen, lange Gestalten(!) und vor allen Dingen an unseren langen Nasen. Wenn Ihr die 10.000km im Sattel habt werden wir an Euch denken und einmal Prost sagen. Wir wünschen Euch weiterhin alles Gute, viel Improvisationsvermögen und allzeit Gute Laune dabei. Magdalena und der Rest der Familie

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